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Das Arbeiten als freier Autor (Selbstverlag)

Trotz meiner erst kurzen Karriere als freier Schriftsteller (und das nur als Hobby neben einem Vollzeitjob) werde ich immer wieder gefragt, wie das mit dem Selbstverlag von Büchern funktioniert und was man da alles beachten muss.

Das Wichtigste gleich vorweg: Man ist und bleibt Herr/Frau über seine Werke und kann mit ihnen beinahe tun und lassen, was man will. Man kann größtenteils bestimmen, wo und wie lange sie zu welchem Preis verkauft werden.

Das bedeutet, man kann sehr schnell auf Änderungen am Markt reagieren. So kann man z. B. bei Amazon Studien mit verschiedenen Verkaufspreisen durchführen oder zum Beispiel je nach Jahreszeit oder globalen Ereignissen die Preise anpassen.

Der größte Vorteil für einen freien Autor im Selbstverlag ist, dass er auf Grund des Wegfalls der Verlagsservices wesentlich mehr Anteil am Buchverkaufspreis bekommt. So bekommt der Autor bei Selbstverlag je nach Verkaufspreis bei Amazon zwischen 30% und 70% des Nettoverkaufspreises eines Buches. Wird das Buch über einem Verlag vertrieben, so sind es oft magere 8 bis 20% vom Nettoverkaufspreis.

Ein weiterer Vorteil ist, dass man Verkaufszahlen augenblicklich erfassen kann und nicht nur Quartalsweise, wie es bei vielen Verlagen üblich ist. Ändert man den Verkaufspreis kann man oft Auswirkungen auf die Verkaufszahlen innerhalb von 24-48 Stunden erkennen. Bei Amazon ist ein weiterer Vorteil, dass das Unternehmen die Tantiemen monatlich an seine Autoren ausschüttet. Bereits ca. 1,5 Monate nach einem Verkauf bekommt der Autor seinen Anateil daran.

Nachteil am Selbstverlag ist, dass man für fast alles selbst verantwortlich ist. So muss man sich selbst einen Lektor suchen (Google ist dein Freund), sich um die Gestaltung des Textes (Aufteilung in Kapitel, Erstellung eines Inhaltsverzeichnissen) und eines Buchdeckels (Cover) kümmern. Bei E-Books kommen noch die erforderlichen technischen Kenntnisse hinzu, um z. B. ein Inhaltsverzeichnis zu erstellen, dass direkt zu den einzelnen Kapitelüberschriften verlinkt.

Außerdem ist man zu einem gewissen Teil selbst für Marketing rund um seine Werke zuständig. Amazon kurbelt die Umsätze bereits automatisch stark an, in dem es Bestsellerlisten erstellt oder gute Bücher in Newslettern erwähnt. Außerdem wird ein Buch auf den Verkaufszeiten anderer Bücher mit ähnlichen Themengebiet beworben, wenn ein anderer Kunde bereits beide Bücher gekauft hat. Damit die Bücher in besagte Bestsellerlisten kommen, ist vor allem Anfangs einiges an Werbung wie Mundprobaganda bei Freunden, Verwandten und Bekannten notwendig. Heutzutage kommen noch die vielen modernen Kommunikationsmöglichkeiten wie Soziale Netzwerke (Facebook, Google+), Kurznachrichtendienste (Twitter) oder klassische Blogs und Homepages hinzu.

Verkauft sich ein Buch erfolgreich, kommt anschließend eventuell die Kommunikation mit den Lesern hinzu. So kann es bei Sachbüchern sein, dass ein Leser einen Fehler entdeckt oder einfach noch weitere Fragen hat. Vorteil des Selbstverlags ist hier, dass man hier immer direkt mit dem Leser kommunizieren kann und kein Verlag die Kommunikation ausbremsen könnte.

Im Selbstverlag kann es auch nicht passieren, dass ein eigentlich guter Text auf Grund des zu jungen Alters oder der Unbekanntheit des Autors abgelehnt wird. Nachteil daran ist, dass die ersten Käufer eines Buches nicht wissen, ob es tatsächlich ein guter Text ist, der hier angeboten wird und wie viel Mühe sich der Autor mit der Gestaltung des Buchinneren bzw. dem Aufbau eines E-Books gegeben hat. Ist ein Buch nicht perfekt, kann und wird es schnell negative Bewertungen für das Buch geben. Ist eine Bewertung nur grob abwertend wenn nicht sogar beleidigend verfasst, diese einfach ignorieren. Hier sollte der Autor nicht gleich das Handtuch werfen, sondern eventuell zwischen den Zeilen lesen, was den Leser eigentlich genau gestört haben könnte. Und ist die Bewertung noch so unsachlich, hilft es oft, einfach eine Antwort dazu zu schreiben, welche Stelle im Buch dem Leser genau nicht gefallen hat. Antwortet der Leser und zeigt eventuell einen tatsächlichen Fehler auf, so kann man diesen schnell ausbessern und weitere potenzielle Käufer können sehen, dass der Autor aktiv auf Feedback durch seine Leser reagiert.

2 Kommentare

  1. Das Argument „höherer Anteil am Buchverkaufspreis für den Autor“ ist natürlich stark. Trotzdem lohnt es sich doch immer darüber nachzudenken, ob den der Selbstverlag tatsächlich und immer die optimale Form für eine Buchveröffentlichung ist.

    Für mich ein guten Grund, einmal ein Interview mit einer Verlegerin zu führen: http://klauswenderoth.de/andrea-el-gato/. Auch Sie hat gute Argumente.

    • Hallo Herr Wenderoth, vielen Dank für Ihr Kommentar. Ich habe mittlerweile zahlreiche Interviews gelesen und bin selbst zu dem Entschluss gekommen, dass man nicht global sagen kann, ob Selbstverlag oder die Veröffentlichung mittels Verlag stets die beste Wahl ist. Vielmehr kommt es auf das Projekt an. So können via E-Book auch reihen von kurzen Ratgebern um wenige Euro veröffentlicht werden, für die sich kein Verlag interessieren würde. Dennoch ist hier definitiv empfehlenswert, mit einem erfahrenen Lektor zusammenzuarbeiten, um qualitativ hochwertige Werke abzuliefern. Selbiges gilt zum Beispiel für Kurzgeschichten oder Novellen. Für diese – seien sie noch so gut – interessiert sich kaum ein Verlag und wenn, dann werden diese erst in Sammlungen veröffentlicht, wenn der Autor bereits mehrere Bestseller im Repertoire hat. Für hochpreisige Sachbücher und Romane ist aber definitiv ein Verlag besser, da dieser oft ein großes Budget in das Marketing investieren und die Bücher an guter Position in Buchhandelsläden positionieren kann.

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