Permalink

1

Minimalistisches Schreiben

Viele gute Schriftsteller geben vor allem einen Tipp: Weniger ist oft mehr!
Damit meinen sie nicht, dass man es vermeiden sollte, möglichst viele Texte und Bücher zu schreiben, sondern vielmehr, dass man kurze Sätze schreiben sollte. Außerdem sind die meisten Schreibratgeber einer Meinung: Man sollte man so wenig Adjektive (Eigenschaftswörter) verwenden wie möglich. Vielmehr sollte aus der Handlung hervorgehen, wie ein Objekt oder eine Person beschaffen ist.

Einige Beispiele dazu:
Erschrocken sah Karl, wie Max ihm die schwere Eisenstange mit voller Wucht gegen den Kopf schlug.
Leser möchten nicht für dumm verkauft werden, für gewöhnlich haben sie eine ausgeprägte Fantasie. Wenn Karl sieht, dass ihm Max eine Eisenstange gegen den Kopf schleudert, ist es logisch, dass er erschrocken sein wird. Dass eine Eisenstange schwer ist, dürfte auch jedem Leser klar sein. Viele Materialien und Objekte haben logische Eigenschaften und somit ist es unnötig, sie um Adjektive zu erweitern. Weitere Beispiele, wie es nicht gemacht werden sollte: das kalte Eis, das heiße Feuer, die dunkle Nacht, die nasse Flüssigkeit.
Die drei Worte „mit voller Wucht“ könnten eventuell gestrichen werden und durch weitere Handlung ersetzt werden. So könnte aus einem weiteren Satz wie „das Blut tropfte aus seinem Schädel“ dem Leser klar werden, dass der Schlag ziemlich heftig gewesen sein muss. Außerdem erzeugt der Satz wesentlich mehr Atmosphäre, Dramaturgie und Entsetzen beim Leser.
Verbesserte Version:
Max schleudert Karl die Eisenstange gegen den Kopf. Das Blut rannte über Karls Gesicht.
Zwei kurze Sätze, die es auf den Punkt bringen und schnell und einfach zu begreifen sind. Sie hören sich wesentlich weniger steif als das erste Beispiel an.

Karl war groß, hatte sehr kräftige Arme, mehrere Narben im Gesicht und langes dunkles Haar.
Einige Bücher führen jeden neuen Charakter mit einer langweiligen Beschreibung in die Handlung ein. Das unterbricht vor allem den Lesefluss, wenn dies an einer spannenden Stelle passiert. Auch hier kann ich empfehlen, die Beschreibung wenn möglich durch Handlung zu ersetzen. Spannender für den Leser wäre zum Beispiel:
Karl hob seinen Gegner am Hemdkragen hoch. Mit der anderen Hand strich er sich seine Haare aus dem Gesicht, sodass seine Narben zum Vorschein kamen.

 

1 Kommentar

  1. So ganz kann ich Dir nicht zustimmen, vor allem beim ersten Beispiel. Die beiden Varianten sagen meiner Meinung nach ganz und gar nicht das Gleiche aus.

    Beim zweiten Problem finde ich es eigentlich schöner, wenn ein neuer Charakter mit den gerade für die Situation notwendigen Eigenschaften beschrieben wird. Alle weiteren Eigenschaften kann man bei Bedarf später beschreiben.

Schreibe einen Kommentar

Pflichtfelder sind mit * markiert.


<br />Bitte gib zur Bestätigung, dass du ein Mensch und kein Spam-Roboter bist, die Lösung in das Feld ein: * Time limit is exhausted. Please reload CAPTCHA.